Aufruf: Artenschutzforschung für Flughörnchen braucht Hilfe
Liebe Kleinsäugerbegeisterte,
mit dieser Kurzmeldung möchten wir uns, unser Projekt um das Sibirische Gleithörnchen (Pteromys volans) und unser Hilfegesuch vorstellen. Unsere Arbeitsgruppe ‚Biodiversity Genomics‘ an der Universität Oulu besteht aus rund sieben Biologen und Biologiestudenten. Oulu liegt im nördlichen Finnland, direkt an der Ostsee, rund zwei Stunden Autofahrt vom Nordpolarkreis entfernt. Wir beschäftigen uns mit vielen Themen rund um Natur- und Artenschutzgenomik, von Populations- und Biodiversitätsmonitoring bis hin zur Wildlife-Forensik. Mit den größten noch verbliebenden Beständen an Sibirischen Gleithörnchen Europas, trägt Finnland eine besondere Verantwortung für diese Art, welche auch wir, als Forschungsteam, nun wahrnehmen. Wir haben im letzten Jahr damit begonnen, die Art genetisch zu untersuchen und besser zu verstehen, um dem Artenschutz wichtige Daten zu liefern, die Tiere effektiver schützen zu können und dem stetigen Bestandsrückgang nachhaltig zu begegnen.
Zurzeit arbeiten wir an der Sequenzierung des Genoms und an einer ersten genetischen Kartierung der finnischen und estnischen Populationen. Ein solches Populationsmonitoring ist nötig, um zu verstehen, womit man artenschutztechnisch arbeiten muss. Wir arbeiten bereits mit verschiedensten Organisationen bezüglich der in situ und ex situ-Bestände zusammen und wollen, über die BAG Kleinsäuger, auch Sie um Ihre wertvolle Mithilfe bitten. Ein Teilprojekt besteht darin, auch die Bestände in Menschenobhut genetisch zu erfassen und zu verstehen. Dazu gehören die Tiere in Zoos, aber genauso solche in Privathand. Im Angesicht der schwindenden Wildbestände sollten wir alle vorhandenen Ressourcen inklusive der Haltungs- und Zuchtkompetenzen der ehemaligen und verbleibenden Halter erfassen und bewahren.
Pteromys volans hat ein gigantisches Verbreitungsgebiet von Nordosteuropa, entlang der eurasischen Taiga bis an die ostasiatische Pazifikküste inklusive der Inseln Sachalin und Hokkaidō. Verschiedene Unterarten sind bekannt, wobei die Tiere in Europa der Nominatform zugeordnet sind. Bevor mit ernsthaften Auswilderungsbemühungen in Europa, auch aus den aktuellen Beständen in Menschenobhut, geplant werden kann, muss nachgewiesen werden, dass es sich um die biogeografisch passende Unterart handelt. Dies können wir mit genetischen Untersuchungen leisten. Mit anderen Worten: Zu welcher Unterart gehören die Tiere in unserer Pflege? Mit der Beteiligung an unserem Forschungsprojekt verpflichten Sie sich natürlich nicht automatisch an zukünftigen Artenschutzbemühungen teilzunehmen. Aber selbst, wenn Ihre Tiere nicht selbst teilnehmen, helfen Sie den Gesamtbestand besser zu verstehen.
Und so können Sie uns auf verschiedenste Weise ganz konkret helfen:
Für die Entwicklung nicht-invasiver genetischer Methode für ein Populationsmonitoring und Ernährungsuntersuchungen sind Kotproben von großem Interesse für uns. Falls Sie solche für uns sammeln könnten, melden Sie sich gerne und wir können mehr Informationen bereitstellen.
Verstorbene Tiere aus ihrer Haltung sind auch nach ihrem Tod noch von großem Interesse für eine genetische Untersuchung des Bestandes! Falls es Ihnen möglich ist, könnten Sie den Tierkörper oder Gewebeproben möglichst kalt einfrieren und sich möglichst schnell bei uns melden, um ihn für die Forschung bereitzustellen (siehe Kontaktdaten unten).
Wenn, auch nur sehr lückenhafte Stammbaumdaten oder zumindest einige Verwandtschaftsinformationen vorhanden sind, würden diese uns zusammen mit den von uns generierten genetischen Ergebnissen sehr helfen! Das gilt auch für bereits erloschene Haltungen.
Falls Sie Informationen zur Haltungsgeschichte und/oder den Importen nach Europa (inklusive Russland) haben, wären wir für jede auch nur kleine Information dankbar! Diese Informationen könnten uns zusammen mit den molekular-genetischen Daten helfen, die Bestände in Menschenobhut besser zu verstehen.
Falls Sie Interesse haben, uns in dieser Sache zu unterstützen oder einfach noch mehr erfahren wollen, melden Sie sich gerne unter den folgenden Kontaktdaten:
Email:
Telefon: +49 15739626030
Wir können uns problemlos auf Deutsch und Englisch verständigen. Für alle anderen Sprachen finden wir einen Weg.
Also falls Sie Halter von Pteromys volans waren, sind oder potenziell sein möchten und für uns aus Ihrer Sicht hilfreiche Informationen zur Haltung, Zucht und Herkunft der aktuellen und ehemaligen Bestände in Menschenobhut haben oder vielleicht sogar interessiert wären, an einer potenziellen Erhaltungszucht in irgendeiner Form teilzunehmen – melden Sie sich sehr gerne jederzeit! Bitte informieren Sie Menschen aus Ihrem Interessenumfeld, die dieses Projekt auch interessieren könnte!
Vielen Danke! Oder wie man in Finnland sagt: Kiitos paljon!
Gerrit Wehrenberg und Angelika Kiebler
Fotoserien
Sibirisches Gleithörnchen (SO, 22. Dezember 2024)



Ein Sibirisches Flughörnchen schaut aus seinem Bau mitten in der hellen finnischen Sommernacht bei Syöte. Dieses Untersuchungsgebiet bei Syöte liegt rund zwei Fahrtstunden von Oulu entfernt.
Eine Filmcrew dokumentiert unsere Laborarbeit zu Pteromys volans.
Sibirisches Gleithörnchen im Tierpark Bierer Berg Schönebeck
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